Dienstag, 5. Februar 2013

Pierre Peters erneut an der Seite der NPD

Wenn das Phänomen des Rechtsextremismus in Luxemburg, das bereits seit Jahrzehnten im tiefbraunen Morast der Gesellschaft rumort und sich immer wieder emporzwängt, ein emblematisches Gesicht tragen würde, dann wäre es wohl zweifellos das von Pierre Peters. 


Pierre Peters sorgte wie kein anderer maßgeblich dafür, dass die Erscheinung des Rechtsextremismus in der Form seiner Person in die öffentliche Wahrnehmung rückte. Dafür sorgten unter anderem etwa sein Versuch, eine rechtsextreme Partei in Luxemburg zu etablieren - welche glücklicherweise vernichtend mit weniger als 3% bei den Chamberwahlen am 12. Juni 1994 abgestraft wurde -, das Verteilen von Flyern mit seinen wirren Hetzparolen als Inhalt, ein Auftritt als Redner bei der NPD Trier, das Einrichten einer Webseite mit seinem rechtsextremen und rassistischen Gedankengut namens "Heemecht an Natur"(die allerdings wieder vom Netz genommen wurde) und mehreren Prozessen; unter anderem eben wegen den eingangs erwähnten Flyern, für die er im Mai 2012 zu zweieinhalb Jahren auf Bewährung verurteilt wurde.

Dieses zweifelhafte Engagement seinerseits verhalf ihm zu trauriger Berühmtheit, und die represäntative Funktion seiner Person für den Rechtsextremismus in Luxemburg äußert sich letztendlich dadurch dass beispielsweise die sehr empfehlenswerte Seite Pierre Peters? Nee Merci, die sich allgemein gegen Rechtsextremismus, Xeno- und Islamophobie einsetzt, symbolisch seinen Namen trägt. Kein Wunder, dass einige unter den "Lëtzebuerger Patrioten" insgeheim mit seinen kruden Ideen sympathisieren, seine Vorgehens- und Ausdrucksweise aber nach außen hin in ihrer typisch hypokritischen Art vorsichtshalber als zu extrem einstufen.

Heute stand er wieder vor Gericht, erneut wegen "incitation à l'haine" - die finale Urteilssprechung steht für den 6.März aus und die Staatsanwaltschaft fordert 1 Jahr Haft. 

Auch wenn er sich am heutigen Tage vehement gegen die gegen ihn gerichteten Vorwürfe gewehrt hat - seine Ideologie vertritt er nach wie vor offenbar mehr als inbrünstig, da ich ihn, wie ich euch in diesem Artikel gerne darstellen möchte, zufälligerweise an einer bestimmtne Stelle in einer Rolle vorfand, die seinen Bewährungsauflagen wohl nicht so zuträglich war.

Jedenfalls: am 24.Januar 2013 begab es sich nämlich, dass ich auf Anraten eines Freundes hin an einer Gegendemonstration zu einer NPD-Kundgebung, die für 18:00 Uhr vor dem Trierer Hauptbahnhof angesetzt war, teilnahm. Als ich eine halbe Stunde vor Anbeginn der Manifestation dort eintrudelte, fand ich vor dem Gebäude noch niemanden vor. Nachdem ich noch, um mir die nur langsam gerinnende Zeit zu vertreiben, einen kleinen Einkauf erledigt hatte und zurück zum Bahnhof eilte, hatte sich die Situation bereits leicht verändert: vor dem Bahnhofsgebäude hatten sich einige kleine Menschentrauben aus Demonstranten zusammengefunden, die der eisigen Kälte trotzten, mit einigen Polizisten und deren Wagen in der Gegend. Auch eine Absperrung war bereits auf der gegenüberliegenden Straßenseite errichtet worden. Die Polizei war jedenfalls zu diesem Zeitpunkt erstaunlich unterbesetzt und hatte sich wohl auf einen eher ruhigen Job an diesem Abend eingestellt. 

Die NPDler zeigten sich allerdings erst gegen 19:00 Uhr, und nicht wie geplant um 6 - soviel schon mal zur "deutschen" Tugend der Pünktlichkeit. Wahrscheinlich verzögerten sie ihre Ankunft wohl aus der trügerischen Hoffnung heraus, die frostige Luft würde die Demonstranten außer Gefecht setzen - bis auf einige zugefrorene Zehen(die mit ausgiebigen Tanzeinlagen wieder aufgetaut wurden) waren allerdings keine Verluste auf deren Seite zu beklagen.

Um 19:00 Uhr kreuzten sie dann schließlich zu ungefähr fünfzehn(die Zahl der Gegendemonstranten betrug 80-100, nur so zum Vergleich)auf und stiegen aus ihrem sonderbar ulkig anmutenden, gelben Van hervor. Ihre Ankunft ging allgemein sonderbar unaufgeregt voranstatten. Das beinahe ausschließlich aus bulligen Männern - mit Glatze, spärlicher Haarpracht und auch mit Mütze bewehrt - bestehende Grüppchen stellte sich mit einer Mischung aus eiserner und stolz-dämlicher Miene auf und reckte eifrig seine Banner mit dubiosen Aufschriften hoch. Mir schien es beinahe, als wäre es diesen der Kälte ausgesetzten Schmalgeistern vollkommen egal, was genau dort auf ihren Bannern prangt - Hauptsache, sie können irgendwie ihre kleinlichen Ängste und ihr Sehnen nach leerem Stolz in einer tief menschenverachtenden Ideologie ausleben. Als Safet Babic, Vorsitzender der NPD Trier - der sich unter anderem öffentlich zur bosnischen Waffen-SS bekennt und an diesem Tage von der Erscheinung her eher an einen mit Wollmütze bewehrten harmlosen Bären als einen grimmigen Nazi erinnerte  - strafte sein Äußeres gleich Lügen indem er sofort loskeifte und seine polemischen, hetzenden Parolen ins Mikrofon grummelte. Was genau er von sich gab, ging daraufhin im von uns veranstalteten Lärm unter, und das bizarre Schauspiel der Nazis wurde dazu immer wieder krampfhaft von einer Mischung aus Volksmusik, Industrial im Marschiertakt und Rechtsrock von der "Landser"-Nachfolgeband untermalt, die aus ihrem schwachbrüstigen, auf dem Dach ihres Vans montierten Lautsprecher schallten. Die Gegendemonstranten hielten mit Musik, Tanzen, Schmährufen und Aufforderungen zur Diskussion und nach besseren Argumenten dagegen, auf die die Nazis jedoch - kaum verwunderlich - nicht eingingen. Das, was wir unter dem Mantel aus Lärm von der Rede aufschnappten, bestätigte wiederum die ausländerfeindliche und schockierend rassistische und paranoide Ideologie der NPD und ihre plumpe, auf leeren Schlagwörtern und Polemik basierenden Rhetorik. Babic wetterte jedenfalls lieber gegen Minderheiten und appellierte an niederste Instinkte der grundlosen Furcht, anstelle auch nur einmal auch nur im Ansatz konkrete und verständige Lösungsansätze für soziale und politische Probleme zu bieten. 

Richtig interessant wurde es jedoch, als der Hauptredner im Anlass der Kundgebung schlussendlich auftrat. 
Sein kaum zu verbergender luxemburgischer Akzent und seine selbst aus der durch die Absperrung bedingte Distanz von einigen Metern seltsam vertraut vorkommende äußere Erscheinung ließen nach einiger Zeit  keine Zweifel mehr daran, dass es sich dabei um den berühmt-berüchtigten Pierre Peters handelte, der munter im Beisein seiner Gleichgesinnten seine rassistische, homophobe und paranoide krude Weltsicht hinauskrächzte. Eben jener Inhalt, für den er hierzulande schon die eingangs erwähnten Prozesse kassiert hatte. 

Sein Auftritt dauerte eine geschlagene halbe Stunde, und dabei machte er den Eindruck eines wahrlich verwirrten, alten Mannes. Seine üblichen Verschwörungstheorien hatten kaum Substanz und seine "Rede" war nicht mehr als eine Ansammlung von Hetztiraden und in Wort gefasste, gegen alle Form des Fremden gerichteten Ängste eines offenbar tief frustrierten Menschen - dazu steigerte er sich immer mehr in seinen eigenen Stoff; sosehr, dass er nicht einmal unsere Zurufe auf Luxemburgische wahrzunehmen schien und nach einiger Zeit sogar das "r" in einer Art und Weise rollte, dass man beinahe den Eindruck erhielt, er wolle die Rhetorik und Ausdrucksweise seiner nationalsozialistischen Vorbilder imitieren. Außerdem betrieb er munter Geschichtsrevisionismus, indem er beispielseise geradeheraus behauptete, die Allierten hätten den 2.Weltkrieg vom Zaun gebrochen und nicht etwa Deutschland. Sollte man Herr Peters vielleicht noch einmal an den Umstand erinnern, dass seine achso geliebte Heimat im 2.Weltkrieg noch von ebendiesen Nazis, die er in Schutz nahm, besetzt und unterdrückt wurde?

Pierre Peters verschwand unter regem Beifall der NPDler wieder im Van. Nach seinem im negativen Sinne denkwürdigen Auftritt redete Babic dann noch einige Zeit weiter, versuchte sich gegen den ihm entgegenschwappenden Lärm zu stemmen, schwenkte immer wieder dubiose Bücher zur Untermalung seiner Theorien rum, und dann zündete noch jemand von den Demonstranten einen Böller - was die Polizei belustigenderweise in helle Aufruhr versetzte, denn sonst gab es keine besonders nenneswerten Vorfälle. Schließlich musste ich wieder zum Zug eilen, um noch nach Hause zu kommen, und bekam somit nicht mehr das Ende der Kundgebung mit - ich kann mir aber nur schwerlich vorstellen dass die NPD noch viel mehr zu sagen hatte außer den üblichen Hetzparolen.

Einige Tage später verkündete die NPD dann das Folgende auf ihrer Website bezüglich der Kundgebung: 

"Umso wichtiger waren diese einleitenden Worte des Kreisvorsitzenden am trocken-kalten Abend am 24.Januar 2013.Hauptredner war der bekannte Aktivist Pierre Peters aus dem Großherzogtum Luxemburg, der in seiner eindringlichen Rede auf die erzwungene Französisierung in Luxemburg hinwies und den Bankenkapitalismus als Motor von Überfremdung, Naturzerstörung und nationaler Selbstaufgabe geißelte."
Somit ist also Pierre Peters zweite Rede bei der NPD jetzt auch noch offiziell bestätigt, und das von der Partei selbst.

Fraglich, ob ihm das bei der finalen Urteilsverkündung am 6.März des Prozesses gegen ihn noch irgendwie zuträglich sein wird.   

Quellen:

Donnerstag, 31. Januar 2013

Post von Timon

Normalerweise ignoriere ich jegliche Antworten unserer eifrigen Retter der Nation - "Lëtzebuerger Patrioten",  "Luxemburg Defence League" &Konsorten - auf kritische Artikel über sie geflissentlich; sei es, um ihnen nicht noch mehr Aufmerksamkeit zu verleihen oder sei es wegen der schieren Irrelevanz ihrer Reaktionen.
Dieses Mal allerdings konnte ich mich nur schwer zurückhalten und beschloss, exemplarisch einen Artikel darüber zu verfassen. 

Vor einigen Tagen trudelte nämlich bei einigen Kollegen meinerseits, die sich motiviert gegen Rechtsextremismus und Ausländerfeindlichkeit in Luxemburg engagieren, ein äußerst dubioser Brief ins Postfach. 

Der Absender enthüllte seinen Namen zwar nicht, aber aufgrund der inflationären Verwendung von mit Bindestrichen zusammengesetzten Schlagwörtern, den üblichen Stänkereien gegen böse "Linksextremisten" und da der Brief von der "Kultur DeLuxe-Redaktion" unterschrieben wurde handelt es soch dabei ohne Zweifel um unseren wohlbekannten Timon Müllenheim, EX-ADRenalin-Mitglied, das munter Kontakte zu unseren berühmt-berüchtigten rechtsextremen "Lëtzebuerger Patrioten" unterhält, auch schon mal bei deren Grillfesten aufgetaucht ist und die immer wieder islamophobe Äußerungen von sich gebende "Luxemburg Defence League" maßgeblich mitgestaltet. 

Müllenheims Brief war wohl dazu gedacht, sein Humorverständnis und seinen Sinn für ... Ironie hervorzuheben, indem er seinen ärgsten Erzfeinden(ich wurde auch erwähnt, bekam aber keine Post - danke trotzdem für die Blumen,  werter Timon!) anschrieb und den Erstplatzierten unter seinen Nemesissen sogar ein okkultes Buch namens "Marx oder Jesus"(ganz klar ein Ratgeber für Bartwuchs - Jesus und Marx verfolgten da zwei ganz unterschiedliche Stile)zuschickte. 
Welch meisterhaftes Cover!

Leider scheiterte sein Versuch, pointiert oder auch nur geringfügig pfiffig oder eloquent zu schreiben gnadenlos an einem Deutsch, das sich wahrlich in einem überaus desolaten Zustand befindet. 
Das alleine wäre noch nicht so gravierend - immerhin ist die deutsche Sprache wirklich den Klischees entsprechend nicht einfach zu erlernen -, würde es sich dabei nicht um Timon Müllenheim handeln. Jener Timon Müllenheim, der aus einem großartig verarmten Adelsgeschlecht stammt und es sich auf die im Wind flatternde Fahne geschrieben hat, sein heißgeliebtes Vaterland und dessen Sprache vor der bösartigen - um es in seinen Worten auszudrücken -  "francophonen Bourgeoisie" zu beschützen und die "deutsch-luxemburgische Diglossie" zu stärken. 

Schade nur, dass er neben dem Französischen und Luxemburgischen noch nicht einmal die deutsche Sprache korrekt beherrscht, obwohl er schon seit Jahren in Trier lebt. Wo bitte ist denn dein Integrationswille, Timon, den du auch immer von den achso bösartigen Ausländern verlangst? Wie wunderbar es sich doch mit Hypokrisie und Doppelmoral leben lässt!

Um das zu untermauern, habe ich so ausführlich wie möglich all seine Fehler in seinem grandiosen Brief herausgesucht und für euch zusammengetragen. 
1. "Neujahrsgruß" schreibt man aneinander - da hat der Bindestrich-Wahnsinn wohl eindeutig Einzug bei Timon Müllenheim gehalten. 
2. "Das" wird großgeschrieben, immerhin ist es der Anfang eines formellen Briefes. 
3. "das Meiste" wird großgeschrieben, da es kein Adjektiv ist; außerdem klingt die Formulierung schrecklich fehlerhaft. "meistens waren es..." hätte da weitaus besser gepasst.
4. "haben wir".
5. "Neujahrsgruß" zum zweiten Mal falschgeschrieben.
6. "Sie" wird großgeschrieben.
7. "linksextremen" ohne Bindestrich(er hat wahrlich ein Faible dafür).
8. "verleihen" wäre angebrachter, man leiht sich normalerweise etwas von jemand anderem "aus", "verleiht" aber selbst etwas(in diesem Falle das Buch) an andere.
9. Das Komma hinter "für das kommende Jahr" im dritten Abschnitt ist überflüssig. 
10. "Resistenzbewegung" ohne Bindestrich. 
11. Hinter "Grund" ist ein Komma zuviel.
12. Was zum Teufel sind "Initiativ-Seiten"? Du erschaffst nicht gleich einen korrekten Neologismus nur wenn du deinen überaus verehrten Bindestrich zwischen zwei zusammenhangslose Wörter presst, werter Timon. Dem Sinn entsprechend muss es sich dabei wohl um "Initiativen" handeln.
13. "trotz diverser Verleumdungen" wäre stilistisch gesehen korrekter. 
14. den Ausdruck "Fans beibekommen" gibt es zwar im Luxemburgischen, aber nicht im Deutschen. 
15. "Sie" zum zweiten Mal kleingeschrieben.
16. "Mit freundlichen Grüßen" - nicht einmal die essenzielle Floskel am Schluss bekommt Müllenheim richtig hin. 

16 Grammatikfehler (mindestens) in einem offiziellen Brief eines Typen, der sich der Verteidung der deutschen Sprache verschrieben hat - das muss man sich erst einmal auf der Zunge zergehen lassen. 

Soviel zur Grammatik - die Genugtuung auf den haarsträubenden Inhalt seines Briefes einzugehen gönne ich Müllenheim letztendlich doch lieber  nicht.

Dienstag, 1. Januar 2013

Neue Einblicke in die rechtsextreme "Luxemburg Defence League"

Hallo werte Leser,

Als Einstieg in das neue Jahr möchte ich euch nun auch wieder einen neuen Artikel bezüglich des Rechtsextremismus in Luxemburg liefern, und über rezente Entwicklungen und Tendenzen berichten.

Nachdem in meinem letzten Artikel über die rechtsextremen Gruppierungen in Luxemburg noch rege Verwirrung darüber herrschte, wer denn nun Teil der "Luxemburg Defence League" oder "Lëtzebuerger Patrioten" sei und wieviele dieser Vereinigungen denn nun tatsächlich existieren, hat vor Kurzem schlussendlich einer der emsigsten Erzkonservativen Luxemburgs, Timon Müllenheim, selbst dazu eine Erklärung abgeliefert, die etwas mehr Klarheit liefert:


Die "Luxemburg Defence League" ging also aus der "Lëtzebuerger Patrioten Liga" hervor, ist ihrerseits aber von der "Association 1908 Lëtzebuerger Patrioten Lëtzebuerger" abzugrenzen, obwohl "Luxemburg Defence League" und "Association 1908 Lëtzebuerger Patrioten Lëtzebuerger" (die ich im nachfolgenden Artikel als "Lëtzebuerger Patrioten" bezeichnen werde) laut Müllenheim "befreundet" sind. Dies ist kaum verwunderlich, formieren sich doch beide aus zahlreichen namhaften luxemburgischen Rassisten, die gleichzeitig in den zwei Gruppen aktiv sind oder Kontakte zu ihr pflegen.

Dieser Screenshot stammt übrigens aus der Gruppe "Luxemburg Defence League", die vor der Öffentlichkeit verschlossen ist(man erhält aber auf Anfrage normalerweise direkt - und lächerlich leicht - Zugriff). Das ist auch kaum verwunderlich, denn in ihr toben sich zahlreiche namhafte Mitglieder der "Lëtzebuerger Patrioten" und der "Luxemburg Defence League" aus und lassen Sprüche vom Stapel, die in der Öffentlichkeit wohl kaum auf besonders viel Resonanz stoßen würden, so offenherzig sind sie in ihrem blanken, unverhohlenen Rassismus und ihrer Xenophobie. 

Man könnte das Ganze daher in einer ersten Reaktion einfach als Schimpftiraden einiger verwirrter Geister abstempeln und sie innerhalb ihrer Gruppen austoben lassen, hätten sie nicht in den letzten Monate in mehr oder minder groß angelegten Aktionen(vorallem durch Flyer und öffentliche Briefe an diverse Gemeinden und staatliche Instutitionen)versucht ihr Ideengut abgemildert in ganz Luxemburg(vornehmlich im Süden) zu verbreiten und es unter dem Deckmantel des Samarittertums zu verhüllen, indem sie sich angeblich der Hilfe sozial Schwacher - exklusive Luxemburger, wohlverständlich - verschreiben.

Um zu zeigen, was wirklich hinter diesen ganzen Gruppierungen steckt und welch plumper und offen ausländerfeindlicher, polemischer Argumentation sich ihre Mitglieder bedienen, habe ich einige eindeutige Screenshots in der Gruppe der "Luxemburg Defence League" gesammelt,(die ihrem berühmt-berüchtigten englischen Vorbild übrigens in beinahe nichts nachsteht, außer dass sich die Gewaltbereitschaft glücklicherwiese noch nicht in reelle Taten umgewandelt hat) und die ich euch nachfolgend zeigen möchte. 


Wie bereits erwähnt verteilten die "Lëtzebuerger Patrioten" also Flyer und verschickten Briefe, um Werbung für ihre Gruppierung zu machen; dabei suchten sie auch tatkräftige Unterstützung in der ideologisch gleichgesinnten "Luxemburg Defence League". Dass sich das rührende soziale Engagement der Patrioten einzig und allein an Luxemburger richten würde(da sie diese, angestiftet durch vollkommen subjektive und emotional affektierte Einschätzungen, irrsinnigerwiese vom Staat als benachteiligt und als aussterbende Spezies ob der achso bösen Ausländer ansehen)war bereits im Vorfeld klar; und beim obenstehenden Screenshot wird noch einmal ihre Ablehnung gegenüber Ausländern ersichtlich.

Luxemburger und interessanterweise auch Italiener (wahrscheinlich weil kaum einer von ihnen noch Italienisch spricht und die armen Patrioten sich somit nicht benachteiligt fühlen müssen) werden explizit von Francis Soumer, Leiter der "Lëtzeburger Patrioten" als alleinige Empfänger für die Flyer auserwählt. Dabei warnt er die Mitglieder der "Lëtzebuerger Patrioten" und der "Luxemburg Defence League", die Flyer nicht an "Allah BuB du Si" oder "Dasilva careilho vodes" zu verteilen.

Francis Soumer kondensiert also Ethnien in stereotypische Namen und reduziert sie auf Klischees, die besonders aussagekräftig seinen beschränkten Horizont widerspiegeln; dazu zielt er mit seinem Kommentar klar darauf ab, Lacher für seine achso kreativen Witzeleien, unter denen ein offenkundiger Rassimus und Ausgrenzungsmechanismen schlummern, zu ernten. Die offenkundig hohe humoristische Qualität seines Witzes spiegelt dann auch wieder ungefähr das intellektuelle Niveau des Großteils der Patrioten wider. 


Bei diesem einseitigen Artikel der "Lëtzebuerg Privat", die wieder panisch und hyperbolisch von der Abschiebung von Portugiesen und dem Einladen von achso bösartigen Asylanten berichtet, verfällt ein gewisser "Leo Wagner" in wüste Schimpftiraden, die nur so vor einer beeindruckenden Palette an Vulgaritäten strotzen und somit deutlich das argumentative Niveau einer handelsüblichen Diskussion bei den "Lëtzebuerger Patrioten" unterstreichen. 

Zuerst einmal fällt er in bemitleidenswert fehlerhaftem Luxemburgisch - so wie es sich für einen echten Patriot gehört - über die "Sau-Ministerin" her, die "ihre Asylanten" unterstützt, ehe er eben jene "Asylanten" dann in humanistischer Weise als "wouscht" bezeichnet. Nun, werter Leo, ich wüsste nicht, wieso du auch nur in irgendeiner Form das Recht besitzen dürftest, Menschen als "wouscht" zu bezeichnen, nur weil du das unverschämte Glück hattest auf diesem Flecken Erde geboren zu werden und als ob du nur durch dein alleiniges und nicht selbst erarbeitetes Dasein als Luxemburger besondere Privilegien hättest.

Im darauffolgenden Kommentar werden dann auch wieder Francis Soumers Opportinismus, Paranoia und Hypokrisie ersichtlich. Er beschwört eine "Lawine", die ausgelöst werden würde, da sich die Portugiesen das nicht gefallen lassen würden. Merkwürdig - hat Francis Soumer nicht in derselben Gruppe(vorletztes Bild hier im Artikel)noch seinen Mitstreitern davon abgeraten, Flyer an Portugiesen zu verteilen und sie somit als seiner selbst nicht würdig betrachtet? Nun, als angehender erfolgreicher Politiker ist sich Francis Soumer sehr wohl des äußerst praktischen Mittels des Opportunismus bewusst und stellt sich auf die Seite seines minderen Übels(in diesem Falle eben die Portugiesen) - Hauptsache, er kann wieder gegen eine andere Minorität wettern, die sein hübsches Weltbild vom friedlichen, ausländerbefreiten Luxemburg trübt.

Als gewissenhafter und vorbildlicher Führer der "Lëtzebuerger Patrioten" muss Francis Soumer natürlich auch als Leitbild der unverhohlenen Gastfreundlichkeit und Menschenliebe seiner Gruppierung brillieren und bezeichnet Asylanten seinerseits konsequent als "Wouscht"(immerhin mit Großbuchstaben am Anfang und daher grammatikalisch korrekt, welch bedeutender Fortschritt!) und auch noch als "Kretz". Wie reizend.

Leo Wagner unterbreitet auch wieder einmal äußerst vernünftige und effiziente Lösungen zum Thema "kriminelle Ausländer", die vom vorbildlichen Pragmatismus der "Lëtzebuerger Patrioten" zeugen, und vermittelt seine Sehnsucht nach einer Partei, die den "Asylanten Wahn" stoppt.
Die durchaus vorhandenen Probleme mit Straftaten von Immigranten und Asylanten - die allerdings allzugerne von den Medien übertrieben und breitgetreten werden und für deren Anteil in der allgemeinen Kriminalitätsrate in Luxemburg der werte Herr Leo Wagner nicht einmal Statistiken oder dergleichen vorzuweisen hat -  auf reaktionäre Weise wegzuschließen anstelle sich ihnen mit differenziert ausgearbeiteten Lösungen zu stellen beweist wiederum einmal, wie simplistisch und pauschalisierend die "Lëtzebuerger Patrioten" veranlagt sind.


Leo Wagner lässt nicht nach und bezeichnet Muslime globalisierend und jegliche Differenzierungen missachtend als "balkan klauerten" - kriminalisiert also gleich eine ganze Religion ohne irgendwelche Argumente dafür aufzuführen(nicht einmal im Artikel war von irgendwelchen Zusammenhängen zwischen Muslimen und Kriminalität die Rede, ganz davon abgesehen dass Leo Wagner wieder einmal kunterbunt Ethnien und Religionen durcheinanderwirft). Eines der typischen Merkmale der Patrioten - Paranoia - kommt auch wieder zum Vorschein: Leo Wagner beschwört den nächsten Krieg herauf, der "bald" kommen werde. Wer mit wem, möchte er natürlich nicht sagen - wahrscheinlich weiß er selbst nicht einmal, wie solch ein einzig und allein in seiner Paranoia und Islamophobie und nicht etwa in realen Fakten wurzelndes Szenario denn aussehen würde.



Hier wird auch wieder einmal der äußerst subtile und reife Humor der "Lëtzebuerger Patrioten", den sie oft und gerne als Deckmantel für ihre rassistischen Hetzparolen benutzen, ersichtlich.
Neben der sehr plumpen Parodie eines Asylbewerbungsformulars verkündet Francis mitsamt expressiver Smileys, er hätte "gerofled". Ehe das erste Kopfschütteln ob dieses armseligen Beweises absoluten Humormangels versiegt ist, folgt schon das nächste, als Leo Wagner gleich darunter weitaus ernstere Töne anschlägt:


Laut Leo Wagner wäre es besser für Luxemburg, wenn die Grenzen wieder zu wären und die EU und der Euro zugrunde gehen würden. Welch argumentatives tabula rasa par excellence - was genau Leo damit bezwecken will außer der persönlichen Genugtuung und des kleinbürgerlichen Gefühls der Sicherheit und der Nostalgie, lässt er allerdings nicht verlauten. Letztendlich sind seine Argumente nicht einmal als solche zu bezeichnen, er bedient sich lediglich stumpfer Stammtischpolemik ohne jeglichen Hintergrund. Die wirtschaftliche Absurdität der Wiedereinführung der nationalen Währungen und das Zurückfallen in nationalistische Tendenzen durch Auflösung der EU und des Schließens der Grenzen scheint Leo eher noch zu begrüßen - oder er ist sich der möglichen Folgen schlicht nicht bewusst.


Francis Soumer praktiziert dann am Ende der hanebüchenen Diskussion, die kaum über lächerlich paranoide und fern jeglichen Realitätsbezuges angelegten Zukunftsprognosen hinweg geht, wieder seine Nebenaktivität als Verschwörungstheoretiker, um eine Verbindung zwischen der "Jugosmafia" und den staatlichen Funktionären, die angeblich von ihnen bestochen werden, aufzustellen. Beweise oder Quellen für seine wieder einmal dem Stammtisch entliehenen Aussagen und stumpfen Gerüchte hat er nicht vorzuweisen - wie könnte man es aber auch wagen den Wahrheitsgehalt der Worte des vortrefflichsten aller "Lëtzebuerger Patrioten" nur in Frage stellen!
Oh, und beinahe beiläufig wäre noch zu erwähnen was er von den "Jugoslawen" hält; auch sie sind für ihn nicht viel mehr als "Wouscht" - ist jemandem schon aufgefallen welch breitgefächertes und abwechslungsreiches Vokabular dieser Mann besitzt? 

Wie sehr Francis Soumer, offizieller Vorsitzender der "Lëtzebuerger Patrioten", dann auch noch bei diesem Beispiel ins Fettnäpfchen tritt, dürfte ihm in diesem Moment wohl kaum bewusst gewesen sein. Während er großspurig von seinem "Widerstand" labert und in haarsträubend irrsinnige Analogien zur Resistenzbewegung im 2.Weltkrieg verfällt, die nun rein gar nichts mit dem Treiben der "Lëtzebuerger Patrioten" am Hut hat, sickert einer seiner traurig-amüsanten Fehlschläge durch. Francis beklagt sich nämlich, dass die "Herren von der Staatsmacht" ihm ganz unhöflich nicht auf die Mails und Briefe seiner Gruppierung, in denen er ihre Standpunkte verkündete, antworten würden.

Den Grund für die fehlende Antworten entdeckte ich dann an anderer Stelle. Der LSAP-Politiker Mike Hansen, der auch gegen rechtsextreme Tendenzen in Luxemburg vorgeht, offenbarte nämlich in seiner Rede zum Thema "Xenophobie" vor dem Escher Gemeinderat am 5.Oktober 2012, auf welch peinliche Art und Weise die Patrioten bei ihrem Vorhaben, die staatlichen Instuitionen mit ihren Briefen zu bombardieren, versagt haben:  

 "En oppene Bréif vu selbsternannte Patrioten déi de Stack-Lëtzebuerger representéiere wëllen, gouf u Lëtzebuerger Administratioune geschéckt. Et ass nëmmen op mangelnd Informatik- a Basiskenntnisser vun dëse Leit zréckzeféieren, datt dëse Bréif net méi Leit erreecht huet. Déi Helde vun der Natioun hunn et nämlech fäerdeg bruecht e puer Emailsdestinatairen net korrekt ofzeschreiwen oder de copier/coller net richteg duerch ze féieren. Dëst weist och direkt op den Niveau vun dem Contenu hin."

 Dem gibt es wohl nichts mehr hinzuzufügen.


Francis Soumer verbirgt in der "Luxemburg Defence League" auch keineswegs seine Gewaltphantasien;  bedenkt man die Tatsache, dass er, einigen seiner Profilbildern entnehmend, ein Faible für Schusswaffen besitzt, erhält die Aussage seinerseits dass er im Falle einer Übernahme luxemburgischer Firmen durch Geschäftsleute aus Katar Amok laufen würde(was ich allerdings eher bezweifle) doch eine eher nicht so erquickliche Note. 
Ohne zuviel in seine Aussagen hineindeuten zu wollen: die Tatsache, dass Francis offenbar Gewalt als legitimes Mittel zum Durchsetzen seiner Interessen ansieht, so wie in seinen darauffolgenden Kommentaren(und wie bereits in meinem letzten Artikel beschrieben), hat letztendlich doch gewisse faschistoide Züge, insofern dass er körperliche Gewalt auch als politisches Druckmittel in Erwägung zu ziehen scheint. Nun, bei seinen rhetorischen Künsten kann ich es ihm auch nicht verübeln, da er auf diesem Wege wohl kaum eine Chance hätte überhaupt seine Interessen vertreten zu können.

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Letztendlich kann ich euch nach diesem kleinen und aufgrund der doch sehr regen Internetaktivität der Patrioten(die sich nur schwer erfassen lässt da sie auch noch unter Pseudonymen agieren und laufend neue Gruppen öffnen) noch längst nicht vollständigen Einblick, nur dazu motivieren selbst einmal einen Blick in jene Gruppierungen hineinzuwerfen, das Ganze kritisch zu beobachten und euch eure eigene Meinung dazu zu bilden.

Desweiteren möchte ich dazu auch noch diesen Appell an die Diekricher Gemeinde richten, die bei ihr angemeldete "Association 1908 Lëtzebuerger Patrioten Lëtzebuerger" und ihre Mitglieder einmal genauer unter die Lupe zu nehmen und sich mit ihren xenophoben und rassistischen Aussagen auseinanderzusetzen. Der Rechtsextremismus in Luxemburg ist nur ein Randphänomen und wäre eigentlich aufgrund der schieren Lächerlichkeit seiner Anhänger in ihrem Verhalten und ihren Aussagen kaum beachtenswert, aber er ist letztendlich dennoch klar vorhanden und es gilt, ihn letztendlich doch lieber nicht zuviel zu unterschätzen.

Weitere Artikel zum Thema:
http://lorgthar.blogspot.com/2012/09/rechtsextremismus-in-luxemburg-neue.html

Und noch ein besonders interessanter und empfehlenswerter Artikel eines Freundes, der die Rhetorik und Verwendung der Formulierung "Ich bin ja kein Rassist, aber..." sehr treffend durchleuchtet.

http://willkuerlichesgeschreibe.blogspot.de/2012/11/ich-bin-ja-kein-rassist-aber.html

Dienstag, 23. Oktober 2012

Zum Irrsinn des Patriotismus und des Konzepts der Nation

"Die wohlfeilste Art des Stolzes hingegen ist der Nationalstolz. Denn er verrät in dem damit Behafteten den Mangel an individuellen Eigenschaften, auf die er stolz sein könnte, indem er sonst nicht zu dem greifen würde, was er mit so vielen Millionen teilt. Wer bedeutende persönliche Vorzüge besitzt, wird vielmehr die Fehler seiner eigenen Nation, da er sie beständig vor Augen hat, am deutlichsten erkennen. Aber jeder erbärmliche Tropf, der nichts in der Welt hat, darauf er stolz sein könnte, ergreift das letzte Mittel, auf die Nation, der er gerade angehört, stolz zu sein. Hieran erholt er sich und ist nun dankbarlich bereit, alle Fehler und Torheiten, die ihr eigen sind, mit Händen und Füßen zu verteidigen." 
- Arthur Schopenhauer

Auf die Frage hin, welche Nationalität ich besitze, antworte ich stets: "Das ist mir egal." Wenn darauf folgend dann wiederum die Frage kommt, warum ich dies täte, antworte ich immer mit dem obenstehenden Zitat, da es meine Meinung zum Thema Patriotismus und Nationalstolz bestens zusammenfasst.
Diese Einstellung meinerseits ruft dann oftmals Unverständnis, Missgunst oder gar Ärger hervor. Dahergehend möchte ich meine Position diesbezüglich im nachfolgenden Artikel detailliert darlegen, um nicht zuletzt Nährboden für eine differenzierte Diskussion zu bieten - allerdings soll es nicht als Rechtfertigung, sondern als Erklärung meiner persönlichen Sicht zu einem Thema dienen, das mich besonders beschäftigt. Im Artikel ist vornehmlich vom luxemburgischen Patriotismus die Rede - dessen Grundzüge und die Reflexionen dazu lassen sich aber schlussendlich auf jedweden Patriotismus in vielen Ländern dieser Welt anwenden.

Patriotismus und Nationalstolz werden heutzutage weitestgehend in der Gesellschaft akzeptiert und sind auch gerne gesehen - anders als der Nationalismus, der geächtet bleibt, da sich die Menschen glücklicherweise noch immer größenteils seiner desaströsen Konsequenzen, besonders jener in Form des 1. und 2.Weltkrieges, bewusst sind. Patriotismus und Nationalstolz werden, in gesundem Maße, als positive Charaktereigenschaft aufgefasst und auch in der Politik von verschiedenen, eher konservativ ausgerichteten Parteien promoviert und die Bürger dazu aufgerufen, am Stolz für das eigene Land teilzuhaben.
Insbesondere durch den rasanten Zuwachs an ausländischen Mitbürgern(1981 bildeten sie 26,3%, 30 Jahre später bereits 43% der sogenannten luxemburgischen Bevölkerung)und die daraus resultierenden demographischen und gesellschaftlichen Entwicklungen, die viele Luxemburger überfordern, wird die "luxemburgische Identität" vielen Leuten immer wichtiger und lässt nie geahnte Verbindungen zur "Heemecht" aufleben. Weiterhin wird durch jüngste sportliche Erfolge, die von der breiten Öffentlichkeit als "luxemburgische Siege" angesehen werden, Patriotismus in Luxemburg als locker und spaßig und für die sich als "Luxemburger" bezeichnenden Menschen als eine Form des Zusammenhalts aufgefasst.
Diese Unbefangenheit im Umgang mit Nationalstolz rührt auch daher dass Luxemburg als kleines, eher friedlich gesinntes Land nie irgendwelche Kriege angezettelt oder imperialistische Tendenzen vorgezeigt hat - es gibt also auf den ersten Blick nicht besonders viel, das den Nationalstolz in irgendeiner Form trüben oder für ein schlechtes Gewissen sorgen könnte.
Nichtsdestotrotz führt auch dieser prinzipiell harmlos erscheinende Patriotismus - wenn er an der Grenze zum Nationalismus wandert - Menschen dazu in Ausgrenzungsverhalten und irrationale Besitzansprüche zu verfallen. Darauf werde ich auch später näher eingehen, da es einer der ausschlaggebenden Gründe für mein Entsagen von jeglichen patriotischen Gefühlen ist.

Wegen ebendieser Selbstverständlichkeit angesichts von Patriotismus stößt meine Haltung, wie bereits erwähnt, oftmals auf Ablehnung und Unverständnis. Auf diese Position meinerseits möchte ich nun dementsprechend näher eingehen.

Zuerst einmal halte ich die Einteilung der Welt in Nationen an sich schon für irrsinnig. Wir sind allesamt Menschen, und unsere kulturellen Unterschiede sollten uns nicht dazu verleiten uns hinter imaginären Grenzen(um derer willen dann auch noch lächerliche Kriege geführt werden)zu verschanzen und diese Differenzen als ausschlaggebendes Attribut unserer selbst hervorheben. Die kulturellen Unterschiede sind nämlich gleichauf mit den kulturellen Überschneidungen an vielen Stellen.
Stattdessen aber wird lieber auf die Unterschiede gepocht um eine kindisch erscheinende Eigenständigkeit zu bewahren, anstelle Notiz davon zu nehmen, dass sich alle Kulturen dieser Welt doch letzendlich gar nicht so unähnlich sind und sich zwangsläufig gegenseitig beeinflussen, auch über Grenzen hinweg. Der Begriff der "Kultur" selbst ist schon abwegig, da sie oft einer bestimmten Gruppe von Menschen(etwa die "westliche Kultur", die "vorderasiatische Kultur", die "muslimische Kultur" - das sorgt seinerseits für Schubladendenken)zugeschrieben wird und damit wieder künstliche Abgründe schafft. Vielmehr sollte man eher die kulturellen Erzeugnisse aller Menschen dieser Welt in einem globalen Kontext betrachten - so werden die Gemeinsamkeiten auch viel ersichtlicher.

Mir wird also zuersteinmal vorgeworfen, ich könne meine luxemburgische Nationalität nicht leugnen, da ich anscheinend dadurch von Geburt an von der ihr angehörigen, "luxemburgischen Kultur" beeinflusst und geprägt worden bin. Es mag insofern stimmen, dass der Ort, an dem ich aufgewachsen bin, mich auch maßgeblich geprägt hat - aber der Ort an sich ist auch schon durch andere kulturelle Einflüsse mitgeprägt, und eine homogene "luxemburgische Kultur" gibt es nicht, genauso wie "der Luxemburger", der ich laut Pass sein soll, ein reines Gedankenkonstrukt ist.
Ich fühle mich nicht als das, was ich laut Vorgabe und künstlichen sozio-kulturellen Umständen sein soll - ein "Luxemburger" - sondern als das, was ich wirklich bin: ein Mensch, ein Einwohner dieser Welt. Und das reicht mir, mehr brauche ich nicht. Alles was darüber hinweg geht ist nur Modell, Konzept, Gedankenkonstrukt, Wunschdenken.

Ich leugne nicht, dass das, was als "luxemburgische Kultur" des geographischen(überhaupt Kulturen an Lokalitäten zu binden ist schon abwegig, da sie dauernd Einflüsse von woanders erhalten) Standorts "Luxemburg" bezeichnet wird, mich nicht in irgendeiner Weise beeinflusst hätte. Genausoviel wurde ich aber auch von der "französischen", "japanischen", "deutschen", "amerikanischen" und vielen anderen Kulturen dieser Welt beeinflusst und geprägt, und habe sie in gleichem Maße angenommen, wenn nicht sogar teils mehr als das was als "luxemburgische Kultur" bezeichnet wird.

Oftmals bekomme ich dann auch den Vorwurf zu hören, ich würde Luxemburg nicht wertschätzen oder gar abschätzig betrachten, und könne in diesem Falle ja auch woanders hinziehen.
Zwischen Heimatliebe und Abscheu für den Ort, wo man aufwächst, liegen allerdings Welten.  Ich persönlich erkenne Nationen als solche schon nicht an, wie soll ich da überhaupt etwas für sie empfinden? Es ist mir gleichgültig. Ich bin zufrieden, hier aufgewachsen zu sein, in relativer Sicherheit und in einem gewissen Wohlstand. Das verleitet mich aber noch längst nicht dazu, irgendwelche Gefühle für das Prinzip "Luxemburg" zu verspüren.
Wenn ich etwas aus eigenem Antrieb forme, etwa einen Film drehe, eine Geschichte oder einen Artikel schreibe; oder Menschen helfe, etwas in der Schule leiste was mich zufriedenstellt, oder über mich selbst hinauswachse, dann verspüre ich Stolz - aber ich empfinde es als absurd, Stolz für solch etwas Abstraktes wie eine Nation zu verspüren; etwas, für das ich selbst nichts beigetragen habe und dessen "Privilegien" ich nur durch puren Zufall erhalten habe.

Auch die Verbindung zwischen sportlichen Erfolgen und Patriotismus kann ich nicht nachvollziehen - wie kann eine Manschaft, die nur aus ein paar Leuten besteht, represäntativ für ein ganzes Land sein? Sie stehen letztendlich nur für einen leeren Namen, ein auf puren Reflexionen basierendes Modell, das die Menschen sich selbst auferlegt haben um ihr Leben zu ordnen. Dies legt auch die ganze Absurdität patriotischer Gefühle offen: an wen richtet sich der Stolz? An den geographischen, zwischen illusionären Grenzen liegenden Flecken Erde? Mehr ist "Luxemburg" nämlich nicht. Erde, Wald, Flüsse, Städte und ein paar hinter deren Toren ertüftelte Gesetze, die einem vorgaukeln, es würde sich dabei um etwas real Existierendes handeln, für das man Stolz empfinden könnte.
Richtet sich der Stolz an das, was dieses Gedankenkonstrukt geleistet hat? Der Reichtum Luxemburgs, die sportlichen Erfolge, die kulturellen Erzeugnisse, die luxemburgische Sprache - dafür ist man selbst nicht verantwortlich und man hat auch nichts von Natur aus dafür geleistet. Man kann Stolz empfinden für jene Menschen, die dazu beigetragen haben - aber es liegt nicht an ihrer Nationalität, das sie ebendies geschafft haben. Wieso also Stolz dafür verspüren?
Die Gebrüder Schleck haben, um ein konkretes Beispiel zu nennen, solch markante Leistungen bei der Tour de France davongetragen, weil sie exzellente Radfahrer sind(kritische Zungen schreiben ihre Erfolge vielmehr dem Doping zu, aber das ist eine andere Geschichte) - und nicht weil sie die luxemburgische Nationalität besitzen. Wieso man es dann als luxemburgischen Sieg feiert, ist mir schleierhaft.
Schon wären wir wieder beim vorherigen Punkt: man preist das Konzept der Nationalität als herausragendes Merkmal der Sportler, weil es das Leben so angenehm ordnet - und auch ein Gefühl des Zusammenhalts schafft, das in meinen Augen allerdings oft auch zu gefährlichen Ausgrenzungsreaktionen führt, die, wie bereits zuvor erläutert, ein weiterer Grund für meine Ablehnung gegenüber Patriotismus sind.

Die Zugehörigkeit zum irreellen Konzept der Nation schafft ein "Wir"-Gefühl, das in der breiten Masse besonders viel Anklang findet und einem Geborgenheit vorgaukelt, dabei aber wieder Menschen in Schubladen steckt und ihnen bestimmte stereotypische, verallgemeinernde Attribute zuweist.
Dabei impliziert "wir" auch immer "die" oder "die Anderen" - jene also, die nicht zum Begriff des "wir" passen, in diesem Falle all jene, die einer anderen Nationalität wie der eigenen angehören. Dies führt auch dazu dass man sich, nur weil man einem bestimmten Konstrukt angehört und auf einem bestimmten Flecken Erde geboren wurde und lebt, anderen auf dem "eigenen" Territorium überlegen fühlt, Ausländern Rechte nimmt oder ihnen aberkennt, obwohl einem das gar nicht zusteht. Das erinnert bereits stark an Nationalismus.
Anstatt das "wir" also auf die gesamte Menschheit zu projizieren, beschränken viele Leute dessen Tragweite viel lieber auf Angehörige der eigenen Nationalität, und gaukeln sich selbst vor, dass sie ihren Landesleuten dank der gesellschaftlichen Umstände ähnlicher sind als Ausländern - die sind ihnen in der Realität letztendlich aber genauso ähnlich, wenn nicht sogar mehr.

Allgemein untergräbt das Prinzip der Nation den Menschen als Individuum, auch wenn die Individualität im Namen vieler Demokratien angeblich gerne gefördert wird - stattdessen ordnet man sich als Individuum aber einem Modell unter, das einen zugehörig und abhängig macht und künstliche Differenzen schafft.

Letztendlich ist Patriotismus, ähnlich wie Religion, und alle anderen sich den Menschen überordnenden Prinzipien, die eine gewisse Emotionalität und somit auch Verbundenheit hervorrufen und zu denen man eine gewisse Empfindung verspürt, ein flüchtiger Anker, an dem man sich festklammert. Ohne ihn würden sich viele Menschen orientierungslos auf jenen unsteten Weiten des Weltenozeans vorfinden - dabei lässt sie der Geborgenheit, Schutz, Ordnung und Anhaltspunkt versprechende, aber über keinerlei progressive Tendenzen aufweisende Anker vergessen, welche Freiheiten einen erwarten, ohne festen Halt.

Schlussendlich spiegelt das auch meine anarchistische Grundeinstellung wider: ich bin der Meinung, dass das Auflösen des Prinzips der Nationen und eine Welt ohne Grenzen, ohne künstliche kulturelle, soziale und ethnische Klüfte umsetzbar wäre. Und der Weg dorthin beginnt genau dort, wo das Konzept der Nationen und ihrer künstlichen Grenzen sich gebildet hat - im Kopf der Menschen.

"Le premier qui, ayant enclos un terrain, s'avisa de dire: Ceci est à moi, et trouva des gens assez simples pour le croire, fut le vrai fondateur de la société civile. Que de crimes, de guerres, de meurtres, que de misères et d'horreurs n'eût point épargnés au genre humain celui qui, arrachant les pieux ou comblant le fossé, eût crié à ses semblables: Gardez-vous d'écouter cet imposteur; vous êtes perdus, si vous oubliez que les fruits sont à tous, et que la terre n'est à personne."
- Jean-Jacques Rousseau

Dienstag, 18. September 2012

Die Wand

"The oldest and strongest emotion of mankind is fear, and the oldest and strongest kind of fear is fear of the unknown."

H.P. Lovecraft, von dem das obengenannte Zitat stammt, litt Zeit seiner Kindheit unter sogenannten "night terrors", die ihn auch zu seinen beeindruckenden und fantastisch geschriebenen Werken - die wiederum den übergreifenden Cthulu-Mythos bildeten  - inspirierten. Diese schlafwandernden Albträume, die vorallem Kinder befallen, sind von solch einer Intensität, dass der Betroffene, wenn er aufgeweckt wird, nicht einmal mehr seine Familie und Freunde wiedererkennt und sich an nichts mehr erinnert. Während solcher "night terrors" schreien die Betroffenen wie am Spieß und durchleben unvorstellbare Horrorvisionen im Traum.

Die Erscheinung, die ich selbst vor einiger Zeit erlebte, erreicht zwar nicht die Schrecklichkeit eines solchen "night terrors", aber dennoch handelte es sich dabei um ein Ereignis, das mich selbst noch heute bis ins Mark erschüttert und mit Angst erfüllt, wenn ich nachfolgend daran zurückdenke, und das auch demonstriert, wie sehr die Grenzen zwischen Traum und Realität verschwimmen können. 

Es begab sich, dass ich nach einem aufzehrenden Tage müde und erschöpft ins Bett sank und nicht so recht einschlafen konnte. Also legte ich mich in eine einigermaße angenehme Position auf dem Rücken und versuchte, gänzlich still zu verweilen und mich nicht mehr zu rühren. Ich schloss die Augen, konzentrierte mich auf einen fixen Punkt, versuchte zu entspannen und jegliche Gedanken, die mich noch irgendwie ans Wachsein binden konnte, hinfortzuwegen. 
Als die Schwärze schlussendlich im Inebegriff war über mich hereinzusinken, schlief ich jedoch nicht direkt ein. Ich fand mich auf einmal in der Seitenlage vor, in einer Schwebe zwischen Wachsein und Traum - so recht konnte ich das zu dem Zeitpunkt nicht ausmachen, und auch im Nachhinein fällt es mir noch schwer herauszufinden, ob ich nun vielmehr wach oder mich doch schon vielmehr im Schlaf befand. 
Jedenfalls keimte in dem Augenblick in mir der trügerische Gedanke, ich wäre vollkommen wach und würde mich somit noch in der realen Welt befinden. Dies stellte sich jedoch rasch als Trugschluss heraus. 
Die Wand vor mir, mit ihrer wohlbekannten Farbe und Aussehen, die ich seit Jahren kurz vorm Eintauchen in meine Träume angestarrt hatte und die meistens das Letzte war, das ich kurz vor dem Einschlafen im Dunklen anblickte, - Sinnbild der Stunden also, die ich schlafend verbrachte - begann sich zu verändern und menschliche Züge anzunehmen. Letzendlich starrte mich aus dem Mauerwerk eine verzerrte Fratze an, die den Mund aufriss und sich mir näherte. Doch der Schrei, den die Lippen des fürchterlich geformten Antlitzes formten, drang nicht aus dem Mund der grauenhaften Erscheinung, sondern aus meinem eigenen Rachen. Ich schrie lauthals, als eine fürchterliche Panik nach mir griff und markerschütternder Horror mich durchfuhr, da ich mich nicht von der Stelle rühren konnte und das Gesicht auf mich zuraste. 
Schließlich schaffte ich es doch noch, mich im Halbschlaf herumzuwälzen und nun Richtung Zimmer zu blicken.
Doch ich war nicht alleine.
Ein aufgerichteter Schemen, bei dem ich nur die Umrisse ausmachen konnte, stand in der Mitte des abgedunkelten Raumes; jede einzelne Faser in meinem Körper wurde sich des durchbohrenden Blickes gewahr, der auf mich gerichtet war, und die mich in den Zustand tiefster Angst versetzende Präsenz des Unbekannten drang bis zum tiefsten Kern meines Seins vor und ließ mich erneut aufschreien. 


Schlussendlich wachte ich auf - doch es fühlte sich vielmehr wie ein Hinübergleiten an. Die dunklen Schemen am Rand meines Blickfeldes flüchteten, und ich sah wieder klarer als zuvor, wurde mir gewahr, dass ich wieder vollkommen wach war. 
Dennoch war es anders wie bei einem Albtraum. Es hatte sich nicht in einer tieferen Schlafphase ereignet, sondern wahrscheinlich kurz nach dem Einschlafen, sodass ich mich noch wach fühlte, während sich diese sonderbaren Halluzinationen ereigneten. Und es fühlte sich naher, echter, mehr in der Realität verwurzelt an. Die Angst, die mich befallen hatte, haftete mir jedenfalls noch beim Aufwachen an, sodass mir das Ganze eher wie ein hektischer, kurzer, intensiver Albtraum im halbwachen Zustand erschien. Glücklicherweise konnte ich danach aber wieder normal einschlafen, und soweit ich mich entsinne wurde ich im Schlaf selbst dann auch nicht von Albträumen heimgesucht.

Nach einiger Recherche, um herauszufinden, um was es sich dabei gehandelt haben könnte, stieß ich schließlich vor Kurzem auf das Phänomen der Schlafparalyse:

"Die Schlafstarre, Schlaflähmung oder Schlafparalyse ist die nahezu vollständige Bewegungsunfähigkeit des Körpers während der Traumphasen. Dieser natürliche Vorgang verhindert, dass im Traum erlebte Muskelbewegungen auch in der Realität ausgeführt werden. Die Schlafstarre wird in der Regel nicht bewusst erlebt, da sie beim Aufwachen ohne Verzögerung beendet wird. Von der Starre ausgenommen sind die Atem- und Augenmuskulatur. Aufgrund der auftretenden Augenbewegungen wird die Schlafphase, in der Träume auftreten, auch als REM-Schlaf (REM = Rapid Eye Movement – Schnelle Augenbewegungen) bezeichnet. Die Schlaflähmung kann durch körperliche Berührung unterbrochen werden."

Ich bin mir nicht so recht sicher, ob sich wirklich darum handelt, da ich eher die Halluzinationen als die Tatsache, dass ich mich nicht rühren konnte, als Auslöser meiner Angst empfand, aber dennoch können laut dem Wikipedia-Artikel und einiger andere Berichte solche Erscheinungen Teil einer Schlafparalyse sein, besonders da ich mich auch schon beim Einschlafen nicht gerührt habe. 

Hattet ihr auch bereits ähnliche Erlebnisse oder gar "night terrors" während eurer Kindheit?



Sonntag, 9. September 2012

Der neue Wunsch nach der Todesstrafe - ein Kommentar

Victor Hugo - einer der erbittersten Gegner der Todesstrafe(um die sich dieser Artikel nachfolgend drehen wird) - sagte einst in einer seiner beeindruckenden Schriften, in denen er immer wieder auf mitreißende Art und Weise gegen die zu seiner Epoche in vielen Ländern noch geläufige Strafe argumentierte, dass die engagierten Schriftsteller des 19.Jahrhunderts im gleichen Rahmen die Todesstrafe abschaffen würden wie die Schriftsteller des 18.Jahrhunderts die Folter. 
Leider sollte Victor Hugos ambitioniertes Ziel erst viel später vollends umgesetzt werden; in Frankreich etwa, Hugos Geburtsland, wurde der letzte zur Todesstrafe Verurteilte noch 1977 mittels Guillotine hingerichtet - das ist kaum 40 Jahre her.
Es war letzendlich der Verdienst zahlreicher Philosophen, Humanisten, Poeten, Schriftsteller - wie der obengenannte Victor Hugo -  und Politiker, die in jahrhundertelangem Bestreben für die Abschaffung der Todesstrafe plädierten und versuchten den Menschen die fürchterlichen Seiten und Absurdität dieser Bestrafung aufzuzeigen, dass die Todesstrafe in ganz Europa(bis auf Weißrussland)abgeschafft wurde.

Dennoch erweckt sich bei mir in letzter Zeit der Eindruck, als wäre dieses vehemente Agieren gegen diese unmenschliche Strafe letzendlich an verschiedenen Stellen umsonst gewesen.
Auf Facebook sprießen an allen Ecken und Kanten Seiten, die die sofortige Wiedereinführung der Todesstrafe fordern, u.a. für Pädophile und Kindermörder, und wenn der Staat nicht ihren Wünschen folgt, so nehmen verschiedene von einem fatalen Gerechtigkeitssinn Getriebene die Justiz selbst in die Hand; so etwa im rezenten Falle eines 18-Jährigen, der über das soziale Netzwerk dazu aufrief, den Verdächtigen - der sich späterhin als unschuldig herausstellte - bei einem Sexualmord umzubringen, woraufhin sich gar ein Lynchmob vor dem Gerichtsgebäude versammelte. Die Verurteilung des jungen Mannes, der zu dieser Tat aufrief, bewegte mich schlussendlich auch zu diesem Kommentar, da mir diese Entwicklungen in letzter Zeit immer wieder negativ aufgefallen sind und der Wunsch verschiedener Menschen nach der Wiedereinführung der Todesstrafe sich eben auch teilweise in dieser Lynchjustiz widerspiegelt und sie oft auch auf die gleiche Art und Weise dafür argumentieren.

Fast immer flammt die öffentliche Diskussion mit den einhergehenden Forderungen nach der Todesstrafe unmittelbar nach in den Medien publizierten Straftaten auf, die auf emotionaler Basis besonders vehement erschüttern. Sei es der Sexualmord an einem Minderjährigen, die Verurteilung eines Massenmörders, die als zu milde eingestuft wird oder pädophile Akte - die öffentliche Meinung wird durch solche Verbrechen meist zuallererst von affektiertem Verhalten geprägt, in denen viele Stimmungsmacher dann auch dazu neigen, den Tod der Straftäter zu fordern. Die Medien, die über solche Straftaten berichten, sind dabei nicht ganz unschuldig an dem Aufkeimen solcher Wünsche - durch die Tatsache dass sie die ganzen Fälle in den Mittelpunkt ihrer Berichterstattung rücken und emotionale Reaktionen provozieren, um möglichst viel Interesse zu erwecken - denn es sind solche Themen, nach denen die Menschen stets insgeheim in morbider Faszination lechzen und somit auch den Konsum eben solcher Medien garantieren.

Ich wurde einst auf Facebook auf jemanden in meiner Freundesliste aufmerksam, der eine Seite geliked und weiterempfohlen hatte, auf der der Tod von pädophilen Straftätern gefordert wurde. Ich kommentierte dies und meinte, die Todesstrafe wäre aus vielen Gründen nicht vertretbar, selbst bei schlimmen Straftaten. Nachdem er mich gefragt hatte, ob ich denn nun jemanden kenne, der einmal vergewaltigt wurde, und ich dies verneinte, hielt er mir diese Tatsache als Argument für die Todesstrafe vor; ich sei laut ihm nicht in der Lage, den Wunsch nach dem Tode solcher Straftäter zu verstehen. Das bin ich tatsächlich nicht, und wenn ich selbst davon betroffen wäre würde ich es wahrscheinlich auch anders sehen, aber genau diese Sicht der emotional von der Tat Betroffenen darf bei der Urteilssprechung eben nicht mitschwingen. Bei dem Versuch, die Gesellschaft zu strukturieren, ist Emotion vollkommen fehl am Platz. Es darf kein Bauchgefühl und persönliches Empfinden bei einer Problematik geben an der Menschenleben hängen - hier hilft meiner Meinung nach nur unsere Räson, um über die Fallen, die unsere Emotion uns anfangs stellt, hinwegzusegeln.

Aufgrund meiner anarchistisch gestimmten Weltsicht beäuge ich den Staat und die an ihn gebundenen Gesetze - geschaffen aufgrund der Fehler weniger, doch die gesamte Gesellschaft einschränkend - an sich eher argwöhnisch. Doch nebst den Nachteilen - auf die ich an dieser Stelle nicht weiter eingehen möchte - besitzen eben jene Gesetze den Vorteil, dass sie dazu geschaffen wurden möglichst objektive Urteile bei Gerichtsverhandlungen zu erzielen. Natürlich fließen bei einem Prozess noch immer die persönlichen moralischen Ansichten des Richters mit ein in die Auslegung des Urteils, doch das Gesetzesfundament des Urteils dient dazu, eben nicht auf emotionaler und subjektiv affektierter Basis zu handeln, und nicht aus der Sicht der Betroffenen zu richten.
Die Justiz muss möglichst menschlich, aber nicht wie ein Mensch - denn dieser tendiert immer dazu, emotional berührt bei solchen Taten zu reagieren und das Ganze mit Affektivität zu verwässern - bei seiner Urteilssprechung agieren: das Urteil soll den Verurteilten dem Grad seiner Straftat entsprechend bestrafen, aber nicht auf unmenschliche Art und Weise wie es die Todesstrafe tun würde, sondern auf möglichst menschliche und humanistische Art und Weise, selbst wenn die Tat noch so abstoßend, unmenschlich und scheußlich war. Ich bin auf keinen Fall dafür, den Staat und die Justiz als moralische und ethische Instanz anzusehen, aber sie sollen zumindest zeigen, dass sie kein solch abscheuliches Mittel wie den willentlichen Tod einsetzen, um Recht zu sprechen.
In meinen Augen wäre der Staat in diesem Fall keinen Deut besser als ein Mörder, dem er sich durch die Ausführung der Todesstrafe an ihm aber auf moralischer Ebene paradoxerweise überlegen fühlt.

Schlussendlich möchte ich auch nicht Bürger eines Staats sein, dessen Gesetzesgebung meinen Tod durch Hinrichtung legitimeren könnte und in denen alleine schon das Gesetz die Möglichkeit bietet, dass die dem Staat angehörige Justiz mich umbringen könnte. Durch mögliche Korruption könnten so auch ganz schnell unliebsame Unschuldige schnell aus dem Weg geschafft werden, indem sie einer nicht von ihnen verübten Straftat bezichtigt werden und daraufhin verurteilt werden. Ich möchte nicht in einem Staat leben, indem ich durch die Willkür solcher Gesetze umgebracht werden könnte - das ist ein Gedanke der mir bis in die letzte Faser meines Daseins zuwider ist. 
All jene Befürworter der Todesstrafe merken in ihrem emotionalen Rausch, der jegliche Rationalität bei solchen Gedankenprozessen vermissen lässt, nicht dass sie durch die Wiedereinführung der Todesstrafe selbst dadurch eingeschränkt werden und sie genauso von der Todesstrafe betroffen werden könnten wie bereits Verurteilte. Und sie sollten sich bewusst sein, dass sich ihre heißgeliebte Demokratie, auf deren Freiheiten sie stets pochen, im Gegensatz zu vielen Diktaturen eben dadurch auszeichnet, dass durch das Fehlen der Todesstrafe auch keine Möglichkeit dazu besteht, sie willkürlich und zur Machtdemonstrierung zu Ungunsten eines jeden Bürgers -  und nicht nur Straftätern -  einzusetzen.

Dann wäre da noch das Argument der ewigen "Wiedergutmachung".
Viele Morde ereignen sich aus dem Motiv purer, primitiver Rachsucht; wenn die Todesstrafe also auch  der Rachsucht - und nicht zwingend der der Angehörigen der Opfer, sondern oftmals der Außenstehender! - willen ausgeführt werden soll, wo liegt dann der Unterschied zum Mord? Es wäre in meinen Augen gar ein vom Staat legitimierter und geplanter Mord aus Rachsucht - wenn das Ganze denn als "Wiedergutmachung" für die Angehörigen betrachtet werden würde -, was dem Ganzen eine weitere perfide Note verleihen würde. Mörder, die aus Rachemotiven handeln, sehen ihre Tat oftmals auch als Ausführung von Gerechtigkeit, die durch ihre Rachetat wiederhergestellt wird - genauso argumentieren auch Befürworter der Todesstrafe.
Aus dem Streben nach einer verfälschten "Auge um Auge, Zahn um Zahn"-Gerechtigkeit heraus geborene Rachsucht gehört in alttestamentarische Zeiten, und nicht in eine Gesellschaft, die sich rühmt, nach sozialen und humanistischen Idealen zu handeln. Aus diesem Grunde ist mir unerklärlich, wie Menschen, die Lynchjustiz ausüben, ihre Taten rechtfertigen wollen.

Schlussendlich ist die Todesstrafe auch vom philosophisch-existenziellen Standpunkt in meinen Augen einfach nicht rechtfertigbar. Die Existenz eines anderen Menschen willentlich zu ruinieren oder zu beenden ist nicht tolerierbar, und aus genau diesem Grunde empfinden wir Mord auch als so abscheulich - und diese aus unseren Emotionen geborene Abscheu verleitet manche Menschen dazu etwas zu fordern, was sie selbst unter anderen Umständen abscheulich finden, nur um der "Gerechtigkeit" willen. Die Todesstrafe beendet auch die Existenz eines Menschen - und egal was dieser Mensch auch getan hat, sein Tod wurde willentlich durch andere Menschen herbeigeführt.

Das ist weder gerecht noch in irgendeiner Form vertretbar - es ist einfach nur barbarisch und unmenschlich.


Sonntag, 2. September 2012

Rechtsextremismus in Luxemburg - neue Einblicke

In ganz Europa scheint derzeit Rechtsextremismus in all seinen Formen wieder verstärkt aufzuleben(beispielsweise in Griechenland), und auch Luxemburg bleibt vor dieser beunruhigenden Entwicklung nicht verschont. Selbst wenn nur eine beruhigenderweise marginale Anzahl von Menschen in Luxemburg eine mehr oder minder offen rechtsextreme Ideologie besitzt und vertritt, so gibt es einige Ideen unter den Rechtsextremen, die teilweise durchaus Zuspruch unter der Bevölkerung finden könnten. Grund hierfür ist das polemische Spiel mit den Emotionen - vornhemlich der Angst, die u.a. schon seit jeher von Faschisten als nützliches Mittel zur Machtausübung gebraucht wird -, das bevorzugte "rhetorische" Mittel der Rechtsextremen. 
Der nachfolgende Artikel soll unter anderem auch dazu dienen, beim Aufzeigen der neuen rechtsextremen Entwicklungen in Luxemburg nebenbei eben diese Vorgehensweisen aufzudecken - ohne dabei jedoch ein allgemeingültiges Bild zeichnen zu wollen: Rechtsextremismus tritt unter vielerlei Formen auf.

Affektivität vor Rationalität - eine Einleitung

Ein aktuelles Beispiel für das Spiel mit den Emotionen ist das heikle Thema des Umgangs mit Immigration und Asylanten, das eine möglichst differenzierte und unvoreingenommene Herangehensweise voraussetzt, um eine sachliche Diskussion zu ermöglichen. Leider schlagen diverse Politiker aus dem rechten Spektrum der Luxemburger Parteilandschaft in solchen Diskussion - mittels hohler Phrasendrescherei und sich stets wiederholenden, ausgetretenen Schlagwörtern - zumeist einen polemischen Ton an, der dann stets an die Emotionalität, und nicht etwa, wie es in einer solchen Diskussion wünschenswert wäre, Rationalität der Bevölkerung appelliert(das gleiche Verfahren wird auch beispielsweise bei der - meinem Erachten nach menschenfeindlichen und barbarischen - Forderung der NPD nach einer Todesstrafe für pädophile Straftäter verwendet; dies ist ein beliebtes Themenfeld bei Rechtsextremen, das auch Zuspruch in nicht rechtsextrem veranlagten Teilen der Bevölkerung Anklang findet).
Die somit provozierte Emotionalität bei einer solchen Debatte verstärkt zusätzlich die bereits vorhandenen Angstgefühle gegenüber Immigranten, Asylanten und Ausländern bei verschiedenen Menschen, die solche Diskussionen verfolgen. Mit der Zeit finden so auch rechtsextrem eingefärbte Ideen deutlichen Zuspruch.

Im öffentlichen Raum spielen sich solche Diskussionen zurzeit vorallem im Internet, maßgeblich auf Facebook ab, die die Rechtsextreme in Luxemburg als den Hauptvertriebsweg ihrer kruden Ideen erkoren haben.

Aus diesem Grunde möchte ich versuchen die Leute darüber zu informieren, was sich in verschiedenen Gebieten der rechtsextremen Szene Luxemburgs zurzeit abspielt, rhetorisch einseitige Hetzkampagnen analysieren, in ihre Einzelteile zerlegen und eindeutig rassistische, ausländerfeindliche und rechtsextreme Kommentare veröffentlichen und zeigen.
Leider ist es nicht möglich, alle Bereiche der rechtsextremen Aktivitäten in Luxemburg abzudecken, da die Hauptinitiatoren solcher Internetinhalte ihre niedrige Zahl durch ihren Fleiß, was das Posten von Inhalten anbelangt, wettmachen. Die rechtextreme Szene in Luxemburg ist nämlich dermaßen quicklebendig dass laufend neue, zum Kopfschütteln anregende Inhalte im Netz erscheinen. 

Dieser Artikel soll wie die vorherigen eher als Übersicht dienen - um stets auf dem Laufenden bezüglich der rechtsextremen Entwicklungen in Luxemburg und anderorts zu bleiben empfehle ich wieder einmal die Facebookseite Pierre Peters? Nee Merci.

Und hier noch einmal die anderen Artikel auf meinem Blog zum Thema:

 
1.Islamophobie

Der in der Einleitung angesprochene Appell an die Emotionalität findet auch bei einem besonders beliebten Thema der Rechtsextremen in Luxemburg zurzeit massiven Einsatz: dem Islam. Durch die in diversen Medien momentan breitgetretene "Gefahr" durch Salafisten und andere islamistische Vereinigungen nimmt die öffentliche Meinung allgemein wieder islamophobe Züge an - und seit 9/11 ist es durchaus nicht unpopulär, eine solche Meinung zu vertreten.

Besonders hervorzuheben bei den neuerdings auftretenden Hetzkampagnen gegen den Islam ist die öffentlich einsehbare Seite "Luxemburg Defence League", die vom Ex-ADR(enalin)-Mitglied Timon Müllenheim gegründet wurde. Interessanterweise war diese Seite kurzweilig auch die offizielle Facebookpräsenz der wohlbekannten  "Lëtzebuerger Patrioten" (die bereits ausgiebig behandelt wurden - siehe etwa diesen Artikel), ehe die Luxemburg Defence League in einer Statusnachricht vermeldete, sie hätte sich wieder wegen unerklärlichen Differenzen vun den Patrioten getrennt - jedoch macht dies sowieso keinen gravierenden Unterschied aus, da die rechtsextremen Ideologien ihrer Mitglieder beinahe deckungsgleich sind, und ulkigerweise hat sich die Beschreibung der Defence League seitdem noch nicht geändert. 

Um diverse Verwirrungen zu vermeiden behandele ich im nachfolgenden Artikel die Luxemburg Defence League und die Lëtzebuerger Patrioten als ein und dieselbe Vereinigung(zum Zeitpunkt der Erstellung der Screenshots agierten sie desweiteren noch unter dem gleichen Dach).

Dieser Screenshot ist nur eines von vielen Beispielen für die islamophobe Haltung der Luxemburg Defence League. Es liegt letztendlich an euch, das ganze weiterhin in allen Aspekten kritisch zu beobachten - rechtsextreme Rhetorik lässt sich nur sehr schwer auf ein einziges Feld begrenzen, tritt vielfältig auf und ich gebe nur einen vergleichsweis kleinen, subjektiven Einblick in die Thematik, der als möglicher Leitfaden dienen kann, aber nach wie vor ist es wichtig vorallem den eigenen gesunden Skeptizismus bei solchen Dingen walten zu lassen.

Widmen wir uns zuerst einmal der visuellen Aufmachung des von der Luxemburg Defence League geposteten Bildes - die Reminiszenz zur "Marlboro"-Zigarettenschachtel ist unübersehbar. Wahrscheinlich will man uns damit suggerieren dass der Islam gefährlich und gesundheitsschädigend sein könnte, so abstrus diese Konnotation auch erscheinen mag. 

Von der Rhetorik her fährt dieses Bild äußerst simple Geschütze auf - Schlagworte und der inflationäre Einsatz von Ausrufezeichen(ein beliebtes, jedoch rhetorische Schwächen offenlegendes Mittel um nichtssagenden Parolen unterbewusst mehr..."Aussagekraft" zu verleihen) anstelle von einer differenzierten Meinung erinnern eher an eine stumpfe, unüberlegte Hetzkampagne denn an einen Auslöser für eine sachliche und rationale Diskussion. Anstelle die Leute dazu aufzufordern, sich selbst eine Meinung darüber zu bilden, werden sie durch solche Parolen gleich entmündigt und ihnen eine Meinung vorgelegt, die zur einzig Richtigen emporgehoben wird.

Auch das Manko an Argumenten fällt einem auf - wieso sollen Minarette denn nun eigentlich verboten werden? Jegliche Anregung zur Diskussion wird im Keim erstickt, und es wird eine Meinung verteilt anstelle die Leute dazu aufzufordern, sich selbst möglichst differenziert und unvoreingenommen mit dem Thema auseinanderzusetzen. Desweiteren gibt es in Luxemburg nicht einmal Moscheen mit Minaretten und es sind in Zukunft auch keine geplant - das Thema wird also nur fadenscheinig aufgegriffen um auch hierzulande ohne plausiblen Grund Stimmungsmache gegen den Islam zu provozieren.

Auch sind sind Minarette nur ein kleiner Teil der breitgefächerten Religion des Islams - das hier gezeigte Beispiel wirft allerdings alles komplett durcheinander, und fordert gleich mit dem "Minarettverbot" auch noch einen kompletten "Stop" des Islams. Das ist ein typisches Beispiel für die Generalisierung einer solchen Diskussion - anstelle sich zuersteinmal mit dem an sich schon schwierigen Thema der Minarette auseinanderzusetzen, fordert man stattdessen gleich im selben Atemzug das Stoppen des gesamten Islam. Ganz davon abgesehen, dass Verbote oftmals kontraproduktiv enden: eine Religion stoppen zu wollen ist eine klar intolerante Position mit dem Willen, Menschen an der Ausübung ihres eigens gewählten Glaubens - eines der demokratischen Grundrechte - zu hindern.




Ein weiteres Beispiel für die eingangs erwähnte Generalisierung ist dieses Bild - auch die Shariah und ihre Ausübung außerhalb von Ländern, in denen der Islam die Hauptreligion darstellt, ist ein weitaus zu komplexes Thema als dass man es nur auf diese simplistische Darstellung reduzieren könnte. Es existieren unterschiedliche Prägungen der Shariah - in manchen Ländern gibt es durchaus die extremen Abwandlungen der Shariah, in anderen dafür aber auch die gemäßigte; doch dies wird von den rechtsextremen Stimmungsmachern nicht berücksichtigt, was sich auch in ihrer einseitigen islamophobischen Propaganda widerspiegelt. 

Wieder einmal intolerante Züge werden durch die durch die darunter prangende Aussage "Islamic Rules Ignored" deutlich - die Rechtsextremen nehmen sich oftmals das Recht, sich Muslimen intolerant gegenüber verhalten zu "dürfen" da der Islam angeblich für "Frauenverfolgung", "Christenmord" und dergleichen stehe. Wieder einmal wird hier nur mit der Angst und voreingenommenen Haltungen der Menschen gespielt, anstelle auch einmal über jene muslimischen Länder - und es sind derer nicht wenige - zu sprechen, in denen solche Taten nicht praktiziert werden.

Sinn für subtilen Humor beweist die Luxemburg Defence League auch - wie schon zu glorreichen "NDU"-Zeiten sind infantile Witzeleien, unter deren Deckmantel ihre offene Islamophobie schwelt, gang und gäbe. Humor ist ein bemerkenswert mächtiges Einsatzmittel, allerdings nicht unter dieser eher zu Mitleid ob dieser müder Witze anregenden Form.



Spätestens bei solchen Screenshots allerdings treibt die Islamophobie besorgniserregende Blüten. Dieser hier stammt aus der Gruppe FIR ODER GEINT ASYLANTENHEEMER HEI AN LETZEBUERG ???, in der sich allerlei wohlbekannte Namen aus der rechtsextremen Szene Luxemburgs tummeln, und in den Kommentaren unter dem Bild wird von einem gewissen "Django Letzeburger" sogar dazu aufgerufen, Gewalt gegen Muslime anzuwenden. Nun, mir sind solche, sich in bemerkenswert miserabel geschriebenem Luxemburgisch( ich frage mich ernsthaft wie sie den Erhalt der Sprache ihrer heißgeliebten Nation vorantreiben wollen wenn sie sie selbst nicht einmal in geschriebener Form beherrschen) ausdrückende, zu Gewalt an Muslimen aufrufende und sich gegenseitig zu Mordfantasien aufstachelnde luxemburgische Mitbürger natürlich viel lieber als friedlich betende, harmlose Muslime.

Ein weiterer Ausbruch seitens Django - nicht nur unser werter Dan Schmitz, hier unter dem Namen "Péip Schmitz" postend, scheint gerne eruptive Schimpftiraden vom Stapel zu lassen.

Die Vulgarität als Zeichen des Mangels von Reflexionsvorgängen bei solchen Thematiken geht offenbar Hand in Hand mit der Emotionalität und Affektivität, mit denen die (luxemburgischen) Rechtsextremen agieren.

2.Die NSDAP als "linke Partei"

Neben den bösen Muslimen sind natürlich auch die "Linksextremisten" und "Linksindoktrinierten" - von Dan Schmitz liebevoll als "Unis-Fritzelen" und "Lénks-Gréng-Kifferten" bezeichnet - Schuld am Weltschmerz unserer Rechtsextremen, Rassisten und selbsternannten Abendlandretter. Da aber alles was ihnen nicht passt von ihnen als "links" bezeichnet wird, wird somit schon jede Person mit gesundem Menschenverstand automatisch zu einem Linksextremisten.



Besonders auffällig ist dabei in letzter Zeit ihre Tendenz, die NSDAP als "linke Partei" zu definieren und damit fleißig an den Haaren herbeigezogenen Geschichtsrevisionismus zu betreiben. Losgetreten wurde dies alles unter anderem von der deutschen Politikerin Erika Steinbach, die für einen Eklat sorgte, als sie auf Twitter - allerdings eher aus reiner Provokation - die NSDAP als "linke Partei" bezeichnete.

Dies ist allerdings beileibe ziemlicher Schwachsinn - hierzu ein bemerkenswerter Artikel aus dem Spiegel, der diesen zweifelhaften Geschichtsrevisionismus sehr gut widerlegt.

'Die Nazis als Linksextremisten? Experten sehen das anders. Die NSDAP, sagt etwa der Historiker Heinrich August Winkler, "war das organisierte und extremste Nein zu allem, wofür linke Parteien standen. Rechter kann man gar nicht stehen." Die Nazi-Partei sei "mindestens so antiliberal gewesen wie sie antimarxistisch war". Ausgezeichnet habe sie sich durch eine "radikale Verneinung der Aufklärung", es handle sich alles in allem vermutlich um "die rechteste Partei, die es je gegeben hat".
Zu Steinbachs Äußerung sagt Winkler, es handle sich um eine "taktisch durchaus geschickte Übernahme von Parolen, mit denen sich die NSDAP von den etablierten Rechten distanzierte." Denn natürlich habe Hitler mit der Namensgebung im Arbeiter-Milieu nach Stimmen gesucht.'

"Linke" Symbolik sollte das Arbeitermilieu locken, dabei war die Ideologie rechter als alles andere was es bis dato in der Politik gab. Mit ähnlichen Methoden arbeiten heute interessanterweise die "Autonomen Nationalisten", die auch beispielsweise das Erscheinungsbild und gewisse Ideen von linkspolitischen Autonomen aufgreifen und sich dabei selbst in Widersprüchlichkeiten verhaken. Über diese verliert die Luxemburg Defence League aber selbstverständlich kein schlechtes Wort.


Der "Vorteil" der Bezeichnung der NSDAP als "linke Partei" ist dass die Luxemburg Defence League sich dementsprechend keine Vorwürfe gefallen lassen müsste, Nazi-Ideologien zu vertreten. Immerhin waren die Nazis in ihrem Weltbild Linksextreme.

Rechtsextremismus wird von ihnen aber - trotz der Tatsache, dass sie laut der Beschreibung der Luxemburg Defence League bzw. Lëtzebuerger Patrioten gegen "jede" Form von Extremismus vorgehen wollen, wie auch im 3.Abschnitt dieses Artikels bei den Screenshots mit den Beschreibungen der Gruppierung(en) zu sehen ist - offenbar als durchaus akzeptable Ideologie übernommen; immerhin postet die Luxemburg Defence League kommentarlos Ausschnitte von offiziellen NPD-Wahlplakaten - einer Partei, die vom deutschen Verfassungsschutz klar als rechtsextrem bezeichnet wird. (siehe dazu folgenden Link)

Bemerkenswert ist aber, dass sie sich offenbar bewusst sind dass die NPD noch immer von einem Gros der Leute verpönt wird, und dafür das NPD-Logo kurzerhand weggeschnitten haben. Opportunismus, dein Freund und Imagehelfer!

3. Die Ziele der "Lëtzebuerger Patrioten" und der "Luxemburg Defence League"

Die Luxemburg Defence League reiht sich in die Vereinigung der "European Defence Leagues" ein, die sich dem Schutze des armen Europas vor den ach-so-böswilligen Muslimen und dem Beschützen nationaler und angeblich europäischer "Tugenden" verschrieben haben. Unter diesem Namen traten auch wie bereits eingangs erwähnt die Lëtzebuerger Patrioten auf, allerdings umfasst ihr Einsatzgebiet, wie wir nachfolgend sehen werden, noch weitere Bereiche. 


(Mittlerweile ist Francis Soumer, Chef der Lëtzebuerger Patiroten - der auch deutlich rechtsextreme, ausländerfeindliche und rassistische Ansichten vertritt - wegen einiger nicht näher erläuterten Differenzen nicht mehr Seiteninhaber, doch ansonsten ist alles noch beim Alten, wenn man zum jetzigen Zeitpunkt einen Blick auf die Seite wirft)

Zu erst einmal wäre hier anzumerken dass sie sich selbst auf eine Ebene mit den luxemburgischen Resistenzlern stellen, die sich gegen die Nazis während der Besatzungszeit gestellt haben - nicht nur dass dies blanker Hohn den Widerstandskämpfern des Nazisregime gegenüber ist wenn man bedenkt, welche Positionen die Luxemburg Defence League und Lëtzebuerger Patrioten vertreten, sondern auch ein Verzerren der Realität: es scheint wohl im abstrusen Weltbild der Patrioten so, als würde Luxemburg momentan von derselben Gefahr wie das damalige Naziregime bedroht werden.

Man muss sich diesen Olymp der Paradoxone erst einmal auf der Zunge zergehen lassen: die Lëtzebuerger Patrioten übernehmen teilweise rechtsextreme Ansichten, die damals schon von der NSDAP und heute auch von der NPD vertreten wurden und werden, grenzen sich aber selbst von der NSDAP ab indem sie diese als "linksextrem mit einigen rechten Ideen"(!)bezeichnen und liebäugeln mit der NPD, obwohl diese mit Abzügen gleichauf mit der NSDAP ist, was die Ideologie anbelangt. Dann stellen die Patrioten sich auch noch auf die gleiche Stufe wie die Resistenzler zu Besatzungszeiten im 2.Weltkriegen - die sich gegen ebenjene Ideologien, die die Lëtzebuerger Patrioten bereitwillig vertreten, gewehrt haben - und verschreiben sich so dem Schutze Luxemburgs.

Offenbar geben die Patrioten deshalb so penibel drauf Acht, nicht mit der NSDAP verglichen zu werden, da dies ihre öffentliche Wahrnehmung bedeutend trüben würde, und schieben alles wie eingangs erwähnt lieber auf die "Linksextremen", damit Rechtsextremismus wieder salonfähig und nicht mehr mit Nazis assoziiert wird.


Ein Blick auf die offizielle Internetseite der Lëtzebuerger Patrioten gewährt einen Einblick in die Ziele und das geplante politische Engagement der Patrioten. Hierbei wird noch mehr ersichtlich, dass sie ihre Islamophobie und rechtsextremistischen Ideen unter dem Deckmantel des sozialen Samarittertums und ihres Strebens nach mehr direkter Demokratie verstecken. Argumente sucht man auch hier vergebens - es werden einfach Stichpunkte genannt, die möglichst viele Luxemburger ansprechen und für sie begeistern lassen sollen. 

Dabei haben die Lëtzebuerger Patrioten schon Großes bewegt und Luxemburg vor dem endgültigen Absturz bewahrt, dank ihres Grillfestes! (dem bis dato einzigen Event das sie seit ihrer Gründung nebst eifrigen Kneipenbesuchen zustande gebracht haben)  Betrachtet man die Fotos einmal genauer, fallen einem auch zwei wohlbekannte Gesichter auf.

Die beiden dort abgebildeten jungen Herren sind die Ex-ADR(enalin)-Mitglieder Dany Sobral und Timon Müllenheim, die nach ihrem Ausschluss aus der Partei offenbar einen neuen Unterschlupf bei den netten rechtsextremen Lëtzebuerger Patrioten gefunden haben - einer Grupperiung, deren Mitglieder die Verbrechen des 2.Weltkriegs gerne mal relativieren(siehe hier).

Bemerkenswert auch dass das Péitenger Gemeinderatsmitglied Joe Thein noch weiterhin lauter eigener Aussage Freundschaften zu den beiden pflegt - kaum verwundernd, da er den Lëtzebuerger Patrioten schon seine Unterstützung bei Protesten gegen neue Asylantenunterbringungen in Péitange zugesagt hatte. (siehe bei einem der vorherigen Artikel die beiden letzten Screenshots bezüglich Eric Frohberg und seines Kontakts zu Joe Thein)



Ich hoffe, ich konnte euch einen hilfreichen Einblick in die Vorgehensmaßen der hierzulande agierenden Rechtsextremen geben und Diskussionen anstoßen bezüglich neu aufkeimender rechtsextremistischer, rassistischer und ausländerfeindlicher Strömungen hier in Luxemburg.

Mit freundlichen Grüßen,
Maxime Weber